Felicitas, «Epigenetik, Quantenbiologie, Interaktion» – wie kommst du von diesem abstrakten Thema zu so etwas Konkretem wie einer Atemübung?
Ebikon, 7. Oktober 2026 — Zwar gehört der Kurs «Epigenetik, Quantenbiologie, Interaktion«» zu keiner Ausbildung. Aber: Wir führen ihn, weil er genau das ist: völlig aussergewöhnlich. Voraussetzungen: keine.

Es gibt riesige Dinge: Bäume, Menschen Schulgebäude, Planeten. Und es gibt ganz, ganz kleine Dinge (oder eben Nicht-Dinge). Meistens sind auch Gebäck-Stücke (allzu) klein. Bild: Pixabay
Felicitas, «Epigenetik, Quantenbiologie, Interaktion» – wie kommst du von diesem abstrakten Thema zu so etwas Konkretem wie einer Atemübung?
Wenn ich atme, interagiere ich mit der Umwelt, weil ich ja Luft einatme, die um mich herum ist. Und schon kommen wir von der Interaktion zur Atemübung. Interaktionen sind für mich der Schlüssel: Sie finden auf Quanten- und Zell-Ebene sowie auf Ebene der Organismen statt. Sie bringen Materie und Gesundheit bzw. Krankheit hervor.
Bei Quanten geht es ja um extrem Kleines, das sich ja auch noch extrem seltsam verhält. Wir aber sind ja gross. Wie passt das zusammen?
Wir bestehen aus Zellen, diese aus Molekülen, diese aus Atomen, diese aus Quanten. Die Quantenbiologie deckt je länger je mehr Prozesse auf, bei denen Quantenprozesse in lebenden Systemen eine wichtige Rolle spielen: Heute weiss man beispielsweise, dass es Quanten sind, die die Photosynthese ermöglichen: Nur dank diesen Quantenprozessen gelingt es Pflanzen, die Energie der Sonne in Traubenzucker umzuwandeln, und dies wiederum ist die Grundlage für alles Leben auf diesem Planeten.
Dir ist der Kurs sehr wichtig. Warum eigentlich?
Weil das Thema spannend ist und weil es mit unserer Gesundheit zu tun hat, mit unserem Alltag, unserem Leben. Mir geht es nicht darum, dass man nach diesen drei Tagen die Theorie wirklich versteht. Mir geht es darum, dass wie alle eine Ahnung davon kriegen, was für Zusammenhänge bereits erforscht sind und wie spannend diese Zusammenhänge sind. Wir werden auch darüber sprechen, was man eben noch nicht weiss. Das ist ziemlich viel: Oft soll die Quantenphysik einfach alles Unerklärliche erklären. Das ist einfach nicht seriös, führt oft auch zu falschen Hoffnungen. Deshalb möchte ich die Quantenphysik ein bisschen entmystifizieren. Ich möchte aufzeigen, was sich darunter überhaupt vorstellen lässt – auch wenn die Grundlagen der Quantenphysik unsere Vorstellungskraft arg strapazieren. Es ist mir wichtig, möglichst viele Menschen zum Staunen zu bringen, über das Wunder Leben. Nur so entsteht eine tiefe Dankbarkeit gegenüber dem eigenen Leben. Und diese Dankbarkeit ist eine der stärksten heilsamen Kräfte.
Wie hat dieses Wissen dein Leben Alltag verändert?
Es zeigt mir, dass auf verschiedenen Ebenen vielfältigste Interaktionen stattfinden – und von denen haben wir keine Ahnung. Zumindest ansatzweise einige grundlegende Zusammenhänge zu erfassen, macht mich demütig und sehr dankbar. Ich staune, dass wir nicht mehr staunen.
Was ist deine grösste Freude an deinem Kurs?
Zu spüren, wie die Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer zu staunen beginnen – das ist ein Geschenk: Eine Gruppe Fremder geht nach drei Tagen als Gemeinschaft auseinander, weil sie zusammen etwas erfahren haben, das ihren Horizont erweitert hat.
Danke, Felicitas, das ist doch alles sehr erfreulich.
Ja, das ist es. Gern, Martin.
Dieses Interview ist bereits veröffentlicht im August 2026 im Leporello; vielleicht haben Sie ihn per Post zugestellt erhalten.

Felicitas Marbach-Lang
Sie ist dipl. Naturwissenschafterin ETH, Dozentin WestMed HPS, unterrichtet Anatomie an der Musical Factory Luzern und engagiert sich als Gemeinderätin in Adligenswil.

