Berührung als Kommunikation
Ebikon, 8. September 2026 — Med. MasseurInnen erfahren über Massagen auch etwas über die inneren Organe ihrer KlientInnen. Nadine Lehner, unsere Ressortleiterin Massage-Praktiken, hat ein Beispiel. Und sie sagt, welche Massage-Form sie mit auf eine einsame Insel nehmen würde.

Nadine Lehner, Ressortleiterin Massage-Praktiken, hat mehr als nur ab und zu Schreibtisch-Arbeit, und so geht es bald zum nächsten Gespräch mit einer StudentIn. Foto: Heilpraktikerschule Luzern
Nadine Lehner, du bist Med. Masseurin EFA, vielleicht erst einmal die Frage: Was ist Berührung?
Für mich ist Berührung eine andere Art von Kommunikation.
Inwiefern?
Ehrlich. Zum Beispiel ein Händedruck oder eine Umarmung, die transportieren Gefühle und man kann sie sofort einordnen, ob sie ehrlich gemeint sind.
TuiNa und Shiatsu, da geht es ja auch um Berührung, aber nicht auf der blossen Haut. Wie ist es, direkt auf der Haut zu arbeiten?
Die Haut ist sehr wichtig, auch zur Befundung, du spürst zum Beispiel Temperatur, Abhebbarkeit, Verklebungen. Die Haut ist für med. MasseurInnen ein Buch, das sehr viel über den Zustand des Menschen aussagt.
Hast du ein Beispiel oder zwei?
Nehmen wir die Bindegewebsmassage. Anhand der Bindegewebszonen können Aussagen über den Zustand der inneren Organe gemacht werden. Ist zum Beispiel die Genitalzone einer Frau sehr verklebt, kann es sein, dass sie über starke Schmerzen während der Mens klagt. Durch das Lösen dieser Zone verschwinden diese Schmerzen.
Wenn du nur eine einzige der fünf Massage-Methoden der Med. Massage auf eine mehr oder weniger einsame Insel mitnehmen dürftest, welche wäre das?
Ich würde die Lymphdrainage ins Gepäck nehmen. Diese Entstauungstherapie ist sehr komplex und effizient, um im Gewebe gestaute Lymphflüssigkeit anzuregen. Dazu gehört für mich das Bandagieren sowie die Beratung geeigneter Kompressionversorgung. Die Indikationen sind sehr vielfältig.
Wie äussert es sich, wenn Lymphflüssigkeit gestaut ist? Schmerzt das?
Durch Ödeme, ja es kann Schmerzen verursachen, wenn das Ödem sehr stark ist.
Und schmerzt es, wenn man eine Lymphdrainage erhält?
Eine manuelle Lymphdrainage sollte keine Schmerzen verursachen.
Was warst du eigentlich früher? Also wie bist du dazu gekommen zu sagen: «Ich will therapeutisch arbeiten»?
Ich habe eine kaufmännische Lehre gemacht, in einer Gemeindeverwaltung. Schon während meiner Ausbildung merkte ich, dass ich sehr gerne mit Menschen arbeite. Dazu kam mein grosses Interesse an gesundheitlichen Themen. Nach der Lehre habe ich noch 10 Jahre im Büro gearbeitet und mit 28 Jahren habe ich dann den Schritt gewagt und meine Ausbildung zur Med. Masseurin begonnen. Für mich war es der Beginn einer grossen Leidenschaft.
Die 10 Jahre, die du noch im Büro gearbeitet hattest, wie waren die? Eine Qual? Die ganze Zeit von einem anderen Beruf geträumt?
Nein, nein, das war nicht schlimm, ich hatte immer Arbeitsstellen, an denen ich mit Menschen zu tun hatte.
Was empfiehlst du mir, wenn ich nicht weiss, ob ich Med. MasseurIn EFA werden soll?
Geh in die Massage. Lass dich mit verschiedenen Methoden behandeln, Bindegewebsmassage, Fussreflex, klassische Massage, manuelle Lymphdrainage. Frag deine MasseurIn, wie dieser Beruf für sie ist. Meine Antwort wäre: Es ist ein wunderbarer Beruf, ich liebe ihn. Und wenn du gerne mit und am Menschen arbeitest, ist das schon etwas Grossartiges. Du begleitest Menschen auf ihrem Weg und hilfst ihnen bei gesundheitlichen Beschwerden. Was könnte schöner sein?
Danke, Nadine.
Gern, Martin.

Nadine Lehner
Ressortleitung Massage-Praktiken, Med. Masseurin EFA, Gesundheitsberaterin Kneipp-Hydrotherapie, Phytotherapeutin GAM-Schule, Frauen-Naturheilkunde mit Schwerpunkt Phytotherapie, Homöopathin Samuel Hahnemann Schule.

