«Es fügt sich alles so, wie es soll.»
Ebikon, 27. Mai 2026 – Den Wunsch, Naturheilkunde zu studieren, trug Fabienne Schärer schon länger in sich. Zunächst setzte sie ihn jedoch nicht um. Erst ein beruflicher und privater Umbruch brachte sie dazu, ihr Leben neu auszurichten. Dabei fügte sich Schritt für Schritt alles zusammen.

Heute studiert Fabienne Schärer Traditionelle Chinesische Medizin TCM mit dem Schwerpunkt Akupunktur, TuiNa und europäische Pflanzenheilkunde. Bild: Heilpraktikerschule Luzern.
Wann hast du vor dem Studium gemacht?
Ich habe ursprünglich die Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit im Akutspital gemacht und danach in der Pflege gearbeitet. Später war ich als MPA tätig – unter anderem in der Onkologie und zuletzt in der inneren Medizin.
Arbeitest du immer noch dort?
Nein, bis Ende Dezember habe ich dort gearbeitet. Und jetzt arbeite ich frisch 40 Prozent in einer Kinderarzt- & Notfallpraxis.
Warum reichte dir die Schulmedizin allein nicht?
An der Schulmedizin störte mich teilweise das geldgesteuerte Denken – nach dem Motto: «Ich mache die Operation und habe mehr Geld.» Wenn es auch mal ohne geht, ist es mega schön. Und es wird immer wieder Menschen geben, die eine Operation brauchen, weil es sich mit einer Massage nicht «flicken» lässt. Ich finde nicht, dass die Schulmedizin schlecht ist. Ich finde einfach, man dürfte es mehr verbinden. Es wäre schön, wenn es mehr Praxen gäbe, in denen Schulmediziner mit Alternativmedizinern zusammenarbeiten. Es braucht beides – und ich denke, wenn wir das kombinieren könnten, würden wir in vielen Belangen weiter kommen.
Wie bist du dann zur Alternativmedizin gekommen?
Ich finde Alternativmedizin allgemein schon eine schlechte Bezeichnung, weil es ist nichts Alternatives – es ist eigentlich der Ursprung der Medizin. Es klingt so wie etwas, das man ein bisschen abschiebt, aber es ist auch mega wichtig.
Absolut.
Aber zurück zur Frage: Ich wollte schon lange in diese Richtung gehen. Zuerst interessierte ich mich für die traditionelle europäische Medizin und habe verschiedene Schulen geprüft. Da ich die Ausbildung nicht in die Länge ziehen möchte, sind viele weggefallen.
Die HPS nicht?
Genau, durch das modulare System ist es möglich die Ausbildungsdauer flexibel zu gestalten.
Hast du dir einen Ausbildungsplan erstellen lassen?
Ja, ich hatte ein Beratungsgespräch vor Ort und habe mir dann auch einen Ausbildungsplan erstellen lassen, aber der Weg von Suhr war mir damals einfach zu weit.
Wie kam’s dazu, dass du jetzt trotzdem an der HPS studierst?
Manchmal führt einen das Leben genau dorthin, wo man sein soll. Meine Lebensumstände haben sich stark verändert: Ich musste mich sowohl beruflich neu orientieren als auch nach einer neuen Praxis umsehen. Gleichzeitig hat sich auch privat vieles verändert – ich bin in einer neuen Partnerschaft.
Und dann hat das eine zum anderen geführt?
Genau. Ich brauchte einen neuen Job und eine neue Praxis und ich wollte ja auch die Schule hier anfangen. Mein Freund wohnt in der Nähe – also was machen wir jetzt? Ich suche ja nicht alles wieder im Aargau, nur um dann in einem halben Jahr zu sagen, dass wir sowieso zusammenziehen. Also habe ich meine Wohnung auch gleich noch gekündet.
Wie ging’s dann weiter?
Ich ging dann drei Wochen nach Südafrika. Am Anfang hat mich das ziemlich gestresst, weil ich noch eine riesige To-do-Liste hatte, mit Jobsuche und allem. Aber ich habe mich auch riesig gefreut, mit endlich meinen langersehnten Traum mit dieser Reise erfüllen zu dürfen. Und wie es so geht: Zwei Tage vor dem Abflug habe ich die Zusage für die Stelle beim Kinderarzt bekommen. Ich musste also «nur» noch eine Praxis finden.
Musstest du lange suchen?
Nein, als ich zurückkam, ging alles plötzlich ganz schnell. Eine Bekannte hat gepostet, dass sie ihren Raum aufgibt und ob jemand Interesse hat. Ich wusste nicht einmal, dass der in Emmenbrücke ist. Ich so: «Wieso gibst du deine Praxis auf?» Und sie: «Ich gehe weg von Emmenbrücke.» Ich so: «Was, von Emmenbrücke? Habe ich das richtig gehört?» Und jetzt bin ich genau in diesem Raum. Es fügt sich alles so, wie es soll.
Wie haben die bestehenden KundInnen den Standortwechsel aufgenommen?
Ich habe diverse KundInnen, die sagen, dass sie weiterhin kommen. Aber es ist halt auch noch so ein bisschen ein Gefinde bei den Terminen mit dem weiteren Weg, den sie zum Teil haben. Aber ich habe ein paar Termine und ich denke, es braucht auch wieder Zeit zum Anlaufen. Und ich hatte auch schon Termine mit NeukundInnen.
Deine Praxis heisst Smultronställe. Wie kam’s zu diesem Namen?
Es ist ein schwedischer Name. Ich war schon ein paar Mal in Schweden und finde es einfach unglaublich schön. Ich war mit dem Camper unterwegs, und diese Art zu reisen gibt einem eine besondere Freiheit: Man entdeckt einen See, denkt «schöner Sonnenuntergang» und stellt den Camper direkt ans Wasser und springt hinein. Smultronställe beschreibt so etwas wie einen ganz besonderen Glücksort – einen Ort in der Natur, wo Wildbeeren wachsen und an dem man sich einfach wohlfühlt. Genau dieses Gefühl möchte ich in meiner Praxis vermitteln: ein Ort, an den man gerne geht, der Ruhe ausstrahlt und an dem man sich aufgehoben fühlt. So kam’s zum Namen.
Was bietest du bei dir in der Praxis alles an?
Also, bei mir in der Praxis gibt es ein recht breites Angebot. Viele kommen natürlich für die klassische Massage, vor allem bei Nacken- und Rückenverspannungen. Zusätzlich biete ich Feuerschröpfen an und im Bereich Energiearbeit arbeite ich mit Access Bars sowie mit der Hot-Stone-Massage.
Hast du eine Vision für deine Praxis?
Nicht unbedingt. Es soll offen sein für alle. Meine KundInnen sind von querbeet. Ich glaube, die Jüngste war neun Monate alt und der Älteste 82 Jahre alt – also ein Riesenspektrum. Das will ich auch so behalten. Entscheidend ist für mich immer, dass es zwischenmenschlich passt, dass man sich versteht. Ich sage oft: Die Hälfte ist Therapie, die andere Hälfte ist das Gefühl, gut aufgehoben zu sein. Und natürlich wäre es ein grosser Wunsch, irgendwann vollständig selbstständig zu sein – dass die Praxis gut läuft und ich mir mein Leben frei einteilen kann. Gerade mit Blick auf eine mögliche Familie stelle ich mir das sehr schön vor.
Danke, Fabienne.
Sehr gern.

Fabienne Schärer
studiert an der Heilpraktikerschule Luzern Traditionelle Chinesische Medizin TCM mit dem Schwerpunkt Akupunktur,TuiNa und europäische Pflanzenheilkunde.
In ihrer Praxis Smultronställe bietet sie unter anderem klassische Massage an: https://www.massage-und-energiearbeit.ch/





