«Ich darf nur noch»

Ebikon, 19. Mai 2026 – Marc Herren führte viele Jahre ein eigenes Küchenstudio. Doch trotz Erfolg merkte er irgendwann, dass ihn die Arbeit nicht mehr erfüllte.

Mann mit weissem Poloshirt steht vor einem Glasfenster mit verschwommenem Gebäude im Hintergrund.

Heute arbeitet Marc wieder als Schreiner in seinem ursprünglichen Beruf – bewusst weniger kopflastig, damit er sich auf seine Ausbildung zum KomplementärTherapeuten in der Fachrichtung Kinesiologie konzentrieren kann. Bild: Heilpraktikerschule Luzern.

Wie hast du gemerkt, dass sich etwas verändern muss?

Ich habe die KundInnen zufriedengestellt, bin den Geschäften nachgesprungen und hatte Erfolg. Trotzdem habe ich irgendwann gemerkt, dass ich mich wie in einem Hamsterrad gefühlt habe und sich in mir etwas nicht mehr richtig anfühlte.

Was genau?

Es war die Küchenbranche generell – mit meiner grossen Ausstellung und den acht Mitarbeitenden. Irgendwann wurde mir alles zu viel. Ich merkte, dass es gewisse Dinge gibt, die nicht mehr im Flow sind und auch nicht in mein Leben passen. 

Wie ging es dir in dieser Zeit?

Wenn du die Freude am Job verlierst, sieht man das früher oder später auch an den Leistungen – so war es bei mir. Irgendwann musste ich das Geschäft runterfahren und schliesslich liquidieren.

Wie blickst du heute darauf zurück?

Zum Glück habe ich das gemacht. Ich hätte die Energie nicht gehabt, nochmal durchzustarten.

Hattest du Angst davor, beruflich nochmals neu anzufangen?

Nein. In meinem Kollegenkreis sagten alle: «Du hast Mut.» Aber ich finde, das braucht keinen Mut. Wenn du weisst, was du willst, braucht es keinen Mut.

Und wie bist du zur Naturheilkunde gekommen? 

Ich habe selbst erlebt, was man mit alternativen oder komplementärtherapeutischen Methoden erreichen kann.

Inwiefern?

Ich habe selbst einen intensiven Weg mit meiner Gesundheit hinter mir. Damals wurde bei mir von der Schulmedizin eine Autoimmunerkrankung, Arthritis, diagnostiziert. Die Behandlung hat mir jedoch überhaupt nicht gutgetan – ich hatte keine Leistung mehr im Sport und wurde ständig krank.

Was hast du dagegen gemacht?

Ich ging zu einem Naturheilpraktiker, der gewisse Dinge ausgeleitet hat. Und dann zu einem Ernährungsberater. 

Was hat dir dieser geraten?

Mich vegan zu ernähren. Ich habe mich etwa zehn Jahre lang zu 100 Prozent vegan ernährt. Wirklich 100 Prozent. Dann habe ich gemerkt, ich vertrage wieder mehr und habe wieder ein bisschen mit Käse angefangen. Fleisch esse ich heute vielleicht noch vier- oder fünfmal im Jahr.

Und seit dann interessierst du dich für Gesundheit?

Nein schon länger. Bald seit 30 Jahren. Seit meinem ersten Erlebnis mit einem Kinesiologen. 

Was ist dir davon geblieben?

Dieser Kinesiologe hat nicht so viel mit mir geredet. Er hat mich nur angeschaut, mit grossen Augen. Und ich dachte mir: «Puh, was sieht er jetzt wieder?»

Und danach?

Danach ging ich dort raus und hatte Energie, als hätte ich Bäume ausreissen können. Das war ein prägendes Erlebnis.

Und wie bist du bei der Suche nach etwas Neuem vorgegangen?

Ich habe eine Liste gemacht: Was kann ich gut? Was mache ich gerne? Was nervt mich? Was kann ich nicht gut?

Und was kam dabei heraus?

Immer das Gleiche: Mensch, Gesundheit, Mensch, Gesundheit.

Und dann?

Habe ich angefangen zu recherchieren. Zuerst zur Ausbildung als Naturheilpraktiker – aber das war nichts für mich, weil ich einfach nicht gerne massiere. Danach habe ich nach Kinesiologie gesucht und bin schliesslich auf die Heilpraktikerschule Luzern gestossen.

Wie bist du vorgegangen?

Zuerst habe ich beim Sekretariat nachgefragt, ob man in meinem Alter überhaupt noch mit einer Ausbildung beginnen kann. Letztes Jahr bin ich 54 geworden. Für mich war das aber kein Hindernis. 

Und was hat sie dir darauf geantwortet?

Sie hat gelächelt und gesagt: «Ja.» Sie erzählte mir, dass gerade jemand mit 70 noch ein Modul abgeschlossen habe. Da dachte ich: Also an mir liegt es sicher nicht.

Und dann war für dich klar, dass du das machen willst?

Genau. Dann liess ich mir einen Ausbildungsplan erstellen und meldete mich für die Ausbildung in Kinesiologie an.

Du arbeitest nebenbei noch als selbständiger Schreiner. Warum hast du dich wieder für die Selbständigkeit entschieden?

Die Stellen, die ich sonst hätte annehmen können, wären in der Geschäftsführung oder Projektleitung gewesen. Aber dort kannst du nicht einfach 60 oder 70 Prozent arbeiten – dann bist du sofort wieder im Hamsterrad. Darauf hatte ich absolut keine Lust. Deshalb habe ich ein neues Geschäft gegründet und mache dort genau das, was ich aus dem FF kann.

Wie erlebst du die Ausbildung bisher?

Ganz anders als alle anderen Ausbildungen, die ich bisher gemacht habe. Bei uns im Handwerk galt man schon als «Tschumpel», wenn man einfach nur die Hände in den Hosensäcken hatte.

Und hier?

Hier sagte ich einmal aus Spass: «Petra, kann ich sonst auch auf eine Liege liegen?» Sie so: «Ja Marc, wenn dir das guttun würde.» Und ich dachte mir nur so: «What?»

Warum ist dir das so geblieben?

Hier ist man einfach viel näher am Menschen. Man hat Verständnis, wenn man etwas nicht sofort kann. Jeder hat Stärken und Schwächen.

Hier ist es einfach alles viel lieblicher, viel näher, viel menschlicher. Das ist komplett anders für mich.

Was nimmst du bereits jetzt aus dem Studium mit?

Ich schaue die Leute anders an. Ich schaue, wie sie laufen, wie sie reden. Es fällt mir einfach mehr auf. 

Was ist das Ziel deines Studiums?

Nach dem Abschluss eine eigene Praxis zu haben. Ich habe jetzt schon einen Übungsraum bei einem guten Freund, wo ich auch trainiere. Er arbeitet mit Massage, Hypnose und hat eben auch ein Fitnesscenter mit Physiogeräten. Er hat mir dort einen freien Raum angeboten. Dort übe ich an KollegInnen und FreundInnen oder Leuten aus der Ausbildung. 

Was bedeutet es für dich heute, sagen zu können, dass du deine Berufung gefunden hast?

Es ist für mich eine totale Erleichterung. Es ist befreiend. Nicht mehr im Hamsterrad zu sein. Nicht mehr nur zu müssen. Ich darf nur noch.

Danke, Marc

Sehr gern. 

Mann mit weissem Poloshirt steht vor einem Glasfenster mit verschwommenem Gebäude im Hintergrund.

Marc Herren

studiert an der Heilpraktikerschule Luzern KomplementärTherapie in der Fachrichtung Kinesiologie mit Ziel eidg. Diplom und arbeitet parallel dazu als selbstständiger Schreiner.

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