Kleiner Schmerz – also ab in den Akupunktur-Unterricht

Ebikon, 12. Januar 2026 — Ein Erfahrungsbericht. Im Mittelpunkt steht das Gürtelgefäss, also der Dai Mai, und einiges mehr an Akupunkturpunkte, als der Mitarbeiter erwartet hatte.

Person liegt auf einer Behandlungsliege in einem Raum mit weiteren Liegen und Personen, die an einem Akupunktur-Unterricht teilnehmen. Foto: Philippe Marty

Frecher Mitarbeiter. Legt sich mit seinen Unterbauchschmerzen einfach in den Unterricht und lässt sich Nadeln stechen. Doch er bedankt sich: Das war erleichternd, danke! – Foto: Philippe Marty

Im Unterbauch sitzt er, dieser zwickende Schmerz. Wie Blinddarm. Einfach auf der anderen Seite. Da kündigt sich eine weitere Divertikulitis an, wahrscheinlich.

Erstmal Kaffee holen. Aus dem Pausenraum kommen grad Petra Bossard und Philippe Marty, sie unterrichten heute Punktlokalisation, sagen: Komm mit in den Unterricht, wir öffnen dir das Gürtelgefäss, den Dai Mai. 

Was immer das ist, gern.

Runter in den Unterrichtsraum, Schuhe und Socken weg, auf die Liege, die StudentInnen versammeln sich darum herum. Dann, im Frage-Antwort-Ping-Pong mit den StudentInnen, nadelt Philippe die Punkte. «Einatmen, ausatmen.» Nadel um Nadel sitzt. Am linken Fuss und der rechten Hand. Am Bauch, an der linken Hand, in den rechten Unterarm, irgendwo am Fuss noch.

Petra geht an die Flipchart, Input zum Dai Mai. Der Schmerz entspannt sich. Die StudentInnen arbeiten in Zweierteams weiter, kleben sich gegenseitig die Akupunkturpunkte mit Lochverstärkern (diesen kleinen, runden Klebern mit Loch in der Mitte, die man für Ordner verwendet).

Augen schliessen. Im Ohr die Gespräche der StudentInnen, angenehmes weisses Rauschen. Wie in einem voll besetzten Restaurant, nur ab und zu sind einzelne Worte unterscheidbar. Wann kommt die Pizza.

Einfach daliegen, eine kleine Weile. 

Philippe dreht ab und zu an der einen und anderen Nadel, das kribbelt etwas. Das sei ein gutes Zeichen, De-Qi genannt, ist später zu erfahren: das Ankommen des Qi.

Petra entfernt die Dinger. Die am Fuss und die an der Handkante, das sind die beiden zuerst gestochenen, hebt sie sich für den Schluss auf, sie entfernt sie gleichzeitig. 

«Du hast sehr kalte Füsse, du nimmst jetzt täglich ein heisses, wirklich heisses Fussbad. Und keinen Weizen, keinen Alkohol, keinen Zucker, nichts scharfes. Warm essen, Schonkost.»

Okidoki. Zurück an den Schreibtisch. Guter Arbeitgeber.

Mein Dank gilt Petra und Philippe und den StudentInnen, liebe Grüsse
Martin

Der Dai Mai, dazu Philippe Marty: Du kannst ihn dir wie einen Gürtel um die Taille vorstellen, deshalb nennen wir ihn auch Gürtelgefäss. Und wie ein Gürtel ist er mal zu eng, mal zu weit, um seine Aufgabe zu erfüllen, nämlich Qi und Blut zwischen Ober- und Unterkörper zu regulieren. Was der Dai Mai auch macht: Er speichert pathogene, also krankmachende Energie, das sogenannte Xie Qi, und schützt so die Organe. Und: Er sorgt für emotionale Stabilität. So leitet er das Qi horizontal um die Taille, und so ist der Dai Mai auch bei Lähmungen, Zyklusstörungen und Gefühlen emotionaler Einengung wichtig.

 

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